Friday, January 13, 2006

Referat

Urban Anthropology
PeasantStudies
Modernisierungskritik
Ethnizität


Theresa Rinner, Sophie Hartl
Geschichtetutorium
13.01.2006

CommunityStudies
•Eine Gemeinschaft kann sich durch 3 Arten identifizieren:
–Lokalität
–Interessen
–Zusammengehörigkeitsgefühl
•CommunityStudiesbeschäftigen sich mit den Zusammenhängen von sozialen Institutionen in einer Region.
•CommunityStudieskonzentrieren sich nicht auf bestimmte Institutionen innerhalb einer Gemeinschaft
•Die meisten Studien beschäftigen sich mit der Gemeinschaft als Platz, eigentlich entscheidend sind jedoch die zusammenhängenden Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft.

Community-Urbanisation
•In der klassischen Anthropologie studierte man meist kleine, überschaubare soziale Einheiten.
•Die Stadt bot ein völlig neues Themenfeld, auch wenn die erforschten Gruppen in „urban villages"unterteilt wurden (b.B.: Minoritäten) um kleine Einheiten zu isolieren („mikroskopischer Zugriff)
•Urbanisation ist eine der sichtbarsten sozialen und kulturellen Veränderung seit dem Zweiten Weltkrieg

1900: ca5% der afrikanischen Bevölkerung in Städten
1990: 50% (Asien, Südamerika gleich)
•Städte sind ideologische Räume mit vielen Bedeutungen und Gegensätzen.

Urban Anthropology–„copperbelt"
•Urban Anthropologywurde in den 1930er Jahren von der Chicago School of Sociologyund der Manchester School (GB) entwickelt.
•Sie entwickelte sich aus den communitystudiesheraus
•Wichtige Forschungen in Süd-und Zentralafrika am „copperbelt"
•(Godfrey Wilson und Max Gluckman)
•Durch die Urbanisation im Kupfergürtel entstand ein starker kultureller und sozialer Kontrast zwischen dem städtischen und dem ländlichen Raum
•Godfrey Wilson führte den Begriff „de-tribalisation"ein (qualitativer Wandel in der sozialen Integration)
•Bemerkt Wandel der Weltorientierung (z.B.: Kleidung als Prestigeobjekt)

Urban Anthropology
•Gesellschaft ist:
„a communityin whichimpersonalrelationareall-important; where
business, lawand religionmakemendependenton millionsof other
menwhomthayhavenevermet; a communityarticulatedintoraces,
nationsand classes: in whichthetribes, no longeralmostworldsin
themselves, nowtaketheirplaceas smalladministrative units; a
worldof writing, of specializedknowledgeand of elanoratetechnical
skill"
(Godfrey WIlson1941, p13)
•Trotz der „de-tibalisation"und dem Verlust traditioneller Strukturen, bleibt Gruppenidentität stark wichtig und wird ständig neu konstruiert

Urban Anthropology
•In der Stadt ist es nicht möglich sich einen genauen Überblick zu verschaffen (zu großund differenziert), deshalb musste man eine neue Methodologie entwickeln: „extendedcasestudy"
•(durch ein herausgegriffenes Event wird auf einen größeren kulturellen und sozialen Zusammenhang geschlossen)
•Methodische Möglichkeiten:
–Fallstudie
–Mikroskopischer Zugang
–Qualitative Reportagetechniken
–Dokumentenanalyse

Meist haben die Themen Bezug auf das Umfeld und bieten somit einen kleinen Einblick auf den größeren Kontext

PeasantStudies–Eric Wolf
•Biographie:
–geboren am 1. Februar 1923 in Wien
–Schulbildung in England und den USA (Queens College)
–diente im 2. Weltkrieg
–1948 Abschluss in Soziologie und Anthropologie
–2. Ehe mit SydelSilverman (auch Anthropologin)
–Gestorben am 6. März 1999

Werke:
Anthropology; Peasants; Peasant Wars of the Twentieth Century; The Human Condition in Latin America.Europe and the People Without History

Peasantstudies
•Eric Wolf konzentrierte sich in seiner Forschung auf die bäuerliche Gesellschaften (Peasants)
•Dabei unterschied er zwischen:
–ClosedCorporate Communities( „traditionelle", in sich abgeschlossene Gesellschaft, hauptsächlich Bodenbauer-Selbstversorgung)
–Open Communities(stärker politisch, kulturell und wirtschaftlich mit der städtischen Gesellschaften verbunden –abhängig vom Weltmarkt)
•Wolf forschte auch in europäischen Gebieten und machte die Anthropologen auf das Forschungspotential der westlichen Welt aufmerksam.

Wallersteinund Modernisierungskritik
•Biographie:
–studierte in den USA und war als Soziologiedozent an der NY Columbia University tätig.
–Leiter des „Fernand BraudelCenter fortheStudyof Economies, HistoricalSystems and Civilisation".
–Spezialisiert für das postkoloniale Afrika
–Kritiker am kapitalistischen System
–„Themodern World"
–Von Karl Marx, Fernand Braudelund den eigenen Eindrücken in Afrika beeinflusst

Modernisierungskritik
•Er lehnt den Begriff der „Dritten Welt"ab (gibt nur eine Welt)
•Ein „Weltsystem"in dem der Gegensatz von Kapital und Arbeit und die Akkumulation von Kapital durch konkurrierende Akteure (z.B.:Nationalstaaten) für Konflikte sorgt.
•Sieht Ursprung des modernen Weltsystems im Nord-Westeuropa des 16. Jhd.
•Unterteilung der Welt in einen Kern, eine Semi-Peripherieund eine Peripherie
•Heute starkes Interesse auf seitender Globalisierungsgegner (haben keine Untermauerung)
•Er ist jedoch kein radikaler Revolutionstheoretiker
•Kritik: historische Ungenauigkeit und vereinfacht kulturelle Komplexitäten zu sehr.

Ethnizität
•Der Begriff der Ethnizitätbekommt in der heutigen Zeit durch die Globalisierung und zunehmende kulturelle Vermischung eine sehr wichtige Rolle.
•Ethnos(griech.) –Gruppe von Menschen, die gemeinsame Bräuche teilt.
•Bedeutet:
–Volk im Allgemeinen
–Abgrenzung einer Gruppe durch ihre gemeinsamen Bräuche
•Ethnizität: Eine Gruppe von Menschen mit der gleichen Sprache, Kultur oder Religion.
•Ethnizitätbehandelt das Verhältnis von Gruppen zueinander, die überzeugt sind sich durch kulturelle Differenzen in wichtigen Fragen zu unterscheiden

Ethnizität
•Eine Gruppe identifiziert sich durch ein von ihr konstruiertes Netzwerk von Gemeinsamkeiten. (Abstammung, Ursprung etc.)
•Sie identifiziert sich dadurch, dass sie Grenzen zwischen sich und anderen Gruppen zieht.
•Ethnische Grenzen (Barth) werden durch Selbst-oder Fremdzuschreibungen definiert und können ständig neu interpretiert werden.
•Wichtige Gemeinsamkeiten:
–Sprache
–Religion
–Brauchtum
–Rasse
•„Introduction–Ethnicgroupsand Boundaries"von Fredrick Barth

Tuesday, November 22, 2005

Funktionalismus Strukturfunktionalismus

Fragestellung: Funktionalismus:
Welche Hauptfragen und -anliegen kennzeichnen den Funktionalismus eines Malinowski oder den Strukturfunktionalismus eines Radcliffe-Brown? Diskutiere die Beiträge in Theorie und Methode, die die beiden Gründerfiguren der britischen Anthropologie in die Wissenschaftstradition einbrachten.

Funktionalismus und Strukturfunktionalismus

Als Begründer der modernen britischen Sozialanthropologie sind wohl zwei Männer zu nennen: Bronislaw Malinowski, der Hauptvertreter des Funktionalismus und A. R. Radcliffe-Brown, als Verfechter des Strukturfunktionalismus.
Mit ihren beiden, beinahe gleichzeitig erscheindenden Werken: „Argonauts of the Western Pacific“ (Malinowski 1922) und „The Andaman Islanders“ (Radcliffe-Brown 1922/1948) bewirkten sie einen Wechsel von den alten Vorstellungen der Evolutionisten und Diffusionisten zu neuen Forschungs- und Strukturmethoden, die die Anthropologie bist heute beeinflussen. Diese beiden Disziplinen waren nie völlig voneinander abgegrenzt, doch sie weisen einige grundlegende Unterschiede in ihrer Anschauung und Fragestellung auf.
Eine der großartigsten Neuerungen in der modernen Anthropologie, war die Entwicklung der Feldforschung. Während bei früheren Vertretern dieses Faches, den sogenannten „armchair anthropologists“, wie Sir Edward Tylor, Lewis Henry Morgan oder James Frazer die gesammelten ethnographischen Daten auf den Erlebnissen anderer beruhten, begann man nun selbst zu Reisen und Informationen zu sammeln.
Führend in der Entwicklung der Feldforschung ist Malinowski mit seiner berühmten Feldforschung auf dem Gebiet der Trobriand Inseln im Pazifik. Er entwickelte die „participant observation“, in der man neben dem Erlernen der regionalen Sprache auch versuchte sich durch aktive Teilnahme am lokalen Leben selbst in die Kultur der zu erforschenden Gesellschaft hineinzuversetzen. Seine Eindrücke schrieb er in einem Feldtagebuch nieder. Diese Praktik der subjektiven Beobachtung wird auch heute in der Anthropologie noch angewandt.
Malinowski selbst hatte einen Lehrstuhl an der London School of Economics inne, die in den 1920er und zu Beginn der 1930er Jahre das absolute Zentrum der britischen Anthropologie darstellte. Selbst wurde er 1884 in Polen geboren und studierte Mathematik, Physik und Philosophie bevor er sich der Anthropologie zuwandte. Durch den Ausbruch des ersten Weltkriegs wurde er, auf Grund seiner österreichischen Staatsbürgerschaft in Australien festgehalten, was ihm jedoch den Anlass und die nötige Zeit gab um seine berühmteste Feldforschung auf den Trobriand Inseln durchzuführen. Die wohl bedeutenste Entdeckung die er im Laufe seiner Studie machte, war der Kulahandel. Dieses System ist ein geregelter Austausch von Gaben, indem nicht materielle Bereicherung sondern soziales Kapital ausschlaggebend sind.
Sein ethnographisches Material stellte sich schließlich als so umfassend heraus, dass Malinowski es nicht in einem Band, sondern über Jahre hinweg geteilt behandelte. Malinowski galt als ein äußerst charismatischer und inspirierender Lehrer und zu seinen Anhängern zählten unter anderem wichtige Anthropologen wie Sir Raymond Firth, Isaac Schapera, Phyllis Kaberry oder Hilda Kuper. Man könnte seine Position durchaus mit der von Boas in der amerikanischen Anthropologie vergleichen.
Malinowskis Funktionalismus beschäftigt sich vornehmlich mit individuellen Handlungen, sozialen Zwängen und den Beziehungen zwischen den Bedürfnissen des einzelnen und der Befriedigung dieser durch kulturelle und soziale Institutionen. [1] Er nimmt dabei an das jeder Aspekt einer Kultur mit anderen verbunden ist.
Die Funktionalisten, oder auch: „Malinowskians“, maßen Fragen wie etwa Kinship Systemen, Politik oder Religion keine allzugroße Bedeutung bei und legten ihren Schwerpunkt auf das Familienleben im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Handlungen oder Magie. Die Präsentation der Arbeiten wurde auf einer niederen Stufe der Abstraktion gehalten, da man versuchte durch Geschichten, wie zum Beispiel einer Biographie, ein unmittelbares Verständnis zu erzielen. Die Methode der Abstraktion um die Daten zu strukturieren fehlten weitgehend. Hier liegt einer der großen Kritikpunkte am Funktionalismus, oder besser gesagt an Malinowski selbst, der diese Disziplin dominierte, und es ist zugleich ein Ansatzpunkt des Strukturfunktionalismus.
Radcliffe-Brown, der Begründer des Strukturfunktionalismus führte eigene Feldforschungen sowohl auf den Andaman Inseln, als auch in Australien durch, wo er eine Studie über die sozialen Organisationen australischer Stämme führte. Er lehrte an Universitäten in Kapstadt, Sydney und Chicago und gründete auf seinem Weg einige Lehrstühle der Anthropologie.
Radcliffe-Brown wurde 1881 in Birmingham geboren. Er war politisch äußerst engagiert und von der Möglichkeit einer Staatlosen Gesellschaft überzeugt. Diese politischen Überzeugungen brachte ihm den Spitznamen Anarchy Brown [2] ein. Nach Malinowskis Rückzug von der LSE übernahm er einen Posten in Oxford. Besondere Inspiration erhielt er, wie auch der französische Strukturalist Lévi-Strauss von der Soziologie Émile Durkheims.[3]
Der Strukturfunktionalismus legte sein Augenmerk weniger auf das Individuum als auf soziale Strukturen, wie Politik und Kinship. Die Studien des Strukturfunktionalismus begrenzten sich weitgehend auf sogenannte „primitive tribes“ in Afrika. Diese Ansätze waren besonders für den britischen Kolonialismus dieser Zeit von großem Interesse. [4] Man entwickelte neue Theorien und Terminologien, wie er von Radcliffe-Brown neu definierte Begriff „social structure“, der nun vermehrt die Beziehungen zwischen Gruppen als die zwischen einzelnen Personen beschrieb. Man begann zwischen den so genannten primitiven staatlosen Systemen, die auf Kinship und dem Staat, der auf Territorium basierte, zu unterscheiden. Ein Anliegen war es die Handlungsweise dieser Gesellschaften zu erforschen indem man beispielsweise versuchte ihre Auffassung von Zeit und Raum zu verstehen. Weitere, persönlich von Radcliffe-Brown durchgeführte Untersuchungen beschäftigten sich mit Gesellschaftsklassifikationen und Totemismus. Das wohl bedeutenste Werk über die Problematik von „primitiven Stämmen ist E.E. Evans-Pritchards: „The Nuer“.
Die Analysen des Strukturfunktionalismus erreichten ein viel höheres Niveau an Abstraktion als es unter Malinowski jemals geschah. Radcliffe-Brown arbeitete sehr systematisch und versuchte sich auf enger gefasste Felder zu konzentrieren. Ziel war es eine Disziplin, aus zusammenhängenden Konzepten, Methoden, Daten und Theorien aufzubauen.[5] Einige seiner wohl bedeutensten Beiträge sind in: „Structure and Funktion in Primitive Society“ (1955) gesammelt.[6] Durkheims Einfluss zeigt sich in Radcliffe-Browns Schaffen wieder, als dieser das Bild der "segmentären Gesellschaft" aufgriff. In diesem Bild hat jedes Segment eine Funktion, das zusammen mit den übrigen das Gesamtkonstrukt in Balance hält. Dargestellt wird dieses mit einem Tortenstück, oder der berühmten "Blattmetapher"DieUrsprünge von Gesellschaftsformen, oder Religionen waren seiner Auffassung nach nicht erforschbar, da sie in der Geschichte verloren waren und fokusierte stattdessen gegenwärtige Zustände. Kinship bekam signifikante Wichtigkeit. Für Radcliffe-Brown bedeuteten sie nicht nur eine Hilfe um Verwandtschaftsbeziehungen festzustellen, sondern er behauptete das Verwandtschaftsterminologie und das Verhalten innerhalb einer Gesellschaft in einem Zusammenhang stünden. Durch diese Position konnte Kinship nun auch wichtige Informationen über die Sozialstruktur liefern.
Auch über die Funktion von Religion, und Riten für die Gesellschaft wurde nachgeforscht.
Radcliffe-Browns glaubte das es möglich wäre in der Anthropologie eines Tages durch Vergleiche auf grundlegende Gesetze für Gesellschaft zu stoßen.
Als Radcliffe Brown in den frühen 1930er Jahren seinen Lehrstuhl in Oxford antrat und Malinowski nach Amerika aufbrach, wo er später auch verstarb, verschob sich das Zentrum der britischen Sozialanthropologie und bekam nach und nach ein neues Gesicht. Als Professor war Radcliffe-Brown höchst angesehen und geschätzt.
Wichtige Vertreter des Strukturfunktionalisten waren unter anderem E.E.Evans-Pritchart, Meyer Fortes, Sol Tax, Max Gluckman und Edmund Leach, die zwar eigenen Feldforschung dem Weg Malinowskis nachgingen, aber ihre Forschungen und Analysen nach dem Vorbild Radcliffe-Browns durchführten.
Funktionalismus und Strukturfunktionalismus sind in der heutigen Zeit zwar beide in ihren Vorstellungen zu einem großen Teil überholt, doch die Bedeutung die beiden Disziplinen in der Anthropologie zukommen, ist nicht abzusprechen und sowohl Malinowski als auch Radcliffe-Brown waren Hauptträger der Entwicklungen, die diesem Fach seine jetzige Richtung gaben.

Referenzen:
[1] vgl. Barnard, Alan, 2000:61
[2] Barth, Frederik, 2005,27
[3]Barnard, 2000,61
[4] Fischer, Beer,1983,2003, 165
[5]vgl. Barth, 2005, 29
[6]Eriksen, 2001

Quellen:
Barnard, Alan, 2000, „History and Theory of Anthropology”
Fischer Hans, Bettina Beer (Hg.), 2003 “Ethnologie”
Frederik Barth, Andre Gingrich, Robert Parkin, Sydel Silverman, 2005 „One discipline four Ways: British, German, French and American anthropology“
Kuper Adam, 1997 “Anthropology and Anthropologists”
Eriksen, Thomas Hylland, 2001, “Small Places, Large Issues”